Ohne Rheintal keine Schweiz


Leider ist aus Stadtsicht von einer 1:3-Niederlage zu berichten, wenn man bei den Resultaten der National- und Ständeratswahlen von Ende Oktober Stadt und Rheintal miteinander vergleicht. Nähmen wir das von durchfahrenden Städtern in der Regel auch dem Rheintal zugeordnete Werdenberg hinzu, hiesse es gar 1:5, was in Fussballerkreisen schon als Kanterniederlage bezeichnet wird.

Natürlich hätte es die Stadt selbst in der Hand gehabt, dieses Resultat weniger deutlich ausfallen zu lassen, indem zum Beispiel CVP und FDP auch hier einen oder zwei Bauern aufgestellt hätten. Die Taktik der CVP jedenfalls, den ausgewanderten Rheintaler Boris Tschirky die Stimmen aus Stadt und Rheintal zusammensammeln zu lassen, ging nicht ganz auf. Dafür war der Tourismusdirektor einer der wenigen, die behaupten konnten, während des Wahlkampfs nicht an mehr Apéros als vorher teilgenommen zu haben – es waren eher weniger, meinte er selbstkritisch.

Altstätten – zumindest der Urkunde nach auch eine Stadt, hat es der Metropole vorgemacht und neben einem als Ritter auftretenden Bauern auch eine als GLP-Kandidatin verkleidete ehemalige CVP-Frau erfolgreich ins Rennen geschickt. Zusammen mit dem Fifa-erprobten SVPler Büchel sind nun also drei Rheintaler(innen) in Bern – ganz getreu unserem inoffiziellen Slogan (den die Standortförderung leider nicht übernommen hat): Ohne Rheintal keine Schweiz.

Dagegen steht die Stadt nach Verzicht und Nicht-Wiederwahl der beiden Ständeratsmitglieder fast mit leeren Händen da – ein «Glück», dass Paul Rechsteiner auch nach 25 Jahren noch keinen Grund für einen Rücktritt sieht. Im Gegenteil: Rechtzeitig zu seinem nächstjährigen Sechzigsten möchte er ins «Stöckli» wechseln, und nicht einmal die (im oben genannten, weiteren Sinn) «Rheintaler» Mathematikerin und SP-Nationalrätin Hildegard Fässler hat ihre Partei überzeugen können, diese Wahlhilfe für die SVP doch bleiben zu lassen. Im Ständeratswahlkampf lautet die Milchbuchrechnung eben: 1 SVP+1 CVP-1 SP= 1 SVP (wobei ich nicht verhehle, dass mir ein anderes Resultat lieber wäre). Auch hier könnte die Stadt also leer ausgehen.

Aber Tatsache ist, dass im Moment erste Ersatzplätze auf den CVP- und FDP-Listen das höchste der Gefühle für Kandidaten aus der Stadt sind, solange die ländlichen Gegenden mit Agrarvertretern, ob bisherig oder neu, antreten. Die SVP hat dieses System so konsequent zu Ende gedacht, dass sie keine einzige Kandidatur aus der Stadt auf ihre Liste nahm. Gleichwohl wird sie sich dann vermutlich wieder wundern, wenn sie die städtischen Wähler 2012 bei den Stadtratswahlen noch nicht wirklich kennen.

Kein Wunder, haben nun im Rheintal und Werdenberg einzelne Gemeindepräsidenten Lunte gerochen und streben mehr oder weniger unverhohlen (bei der FDP ganz offiziell) auch in die Regierung. Die muss seit Toni «Pepsodent» Grüningers unfreiwilligem Abgang auf Expertise aus dem Rheintal verzichten und tut sich damit erklärtermassen schwer. Ganz anders in der Stadt: «Hier bin ich und hier bleibe ich», sagt Stapi Scheitlin im Gleichklang mit dem 2012 jubilierenden Gallus – und hat sich entschieden, an der Spitze der Stadt (die sich darüber freuen kann) zu bleiben. Für ihn wäre ein Wechsel in die Kantonsregierung auch rein physisch schon ein Abstieg: In keinem der kantonalen Verwaltungsgebäude hat man einen so schönen (Über-)Blick wie aus dem Bürgermeister-Büro im Rathaus.

Im Übrigen werden uns 2012 viele der Kandidat(inn)en dieses Herbstes wieder begegnen – zunächst bei den Kantonratswahlen und, wenn es auch da nicht reicht, bei den kommunalen Wahlgängen. Und so landet manch eine/r wieder da, wo er/sie schon war. Und sollte es auch da nicht mehr reichen, haben städtische Politiker(innen) immerhin noch die Chance, bei TVO zum Wahlkommentator zu werden und dort ohne Hochrechnung ebenso zu spekulieren wie Longchamp bei SRF mit Hochrechnungen. Oder wie es ein St.Galler Stadtrat einmal schmunzelnd formulierte: «Ich gehöre  eigentlich nach Bern und würde dort viel nützen, aber die Wähler haben es nicht gemerkt.»

(verfasst für das StadtMAGAZIN Nr.4, November 2011, noch VOR dem zweiten Wahlgang Ständeratswahlen…)

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Finde die Unterschiede


Stadt und Land sind nicht vergleichbar, heisst es immer wieder, wenn man Städter und Ländler (sorry: Bewohner ländlicher Gegenden) fragt. Tatsächlich gibt es Unterschiede, die aber bei näherer Betrachtung dann doch keine sind. Schauen wir uns drei davon genauer an.

Unglaublich, diese schnelle Reaktionszeit: Kaum einen Tag nach dem Erscheinen der letzten «Stadtsicht» präsentierten die Verantwortlichen eine neue Version der Gestaltung des Bahnhofplatzes. Und raubten der «Laterne» ihren letzten Sinn, nämlich das an die Stickerei erinnernde, künstlerische Ornament. Immerhin: Jetzt steht der Stadtrat geschlossen hinter dem «sechs Ordner dicken» (!) Projekt, pro Stadtratsmitglied also ein Ordner, Stadtschreiber inklusive. Womit wir beim ersten Unterschied zwischen Rheintal und Stadt wären: Im Chancental kann ein Gemeindepräsident notfalls mit einer einzigen A4-Seite Medien und Bevölkerung überzeugen, eine Mehrzweckhalle für – sagen wir – 10 Millionen zu bauen. Hier in der Stadt braucht es sechs dicke Ordner schon für die erste Präsentation des definitiven Projekts, an das die Stadt gemäss ihrer Bauministerin «unter 50 Millionen» zahlen wird. Fazit: Hier gibt es einen Unterschied.

Zweiter Unterschied: Im Rheintal und in St.Gallen ist derzeit eine «Südumfahrung» in: Hier zur Entlastung der Stadtautobahn, dort zur Verbindung der Schweizer und der Vorarlberger Autobahn bei Diepoldsau. Während dort die Gemeindepräsidenten hüben und drüben (wenn auch seit Jahrzehnten erfolglos) öffentlich und persönlich für eine Lösung weibeln, überlässt man das in der Stadt grosszügig/blauäugig/bewusst (kreuzen Sie einfach an, was Sie vermuten) der Kantonsregierung. Sogar das Astra soll sich kürzlich bei einer Informationsveranstaltung darüber gewundert haben, wie wenig politischer Druck aus der Stadt in Richtung Bern gemacht wird. Kantonsrat Walter Locher fragt zwar regelmässig die Regierung, was sie tut, die aber ebenso regelmässig antwortet, der Bund sei jetzt am Zug. Und in der Stadt fragen Parlamentarier und Wirtschaft regelmässig den Stadtrat, was er tut, der ebenso regelmässig antwortet, Kanton und Bund seien am Zug. Fazit: Hier gibt es einen Unterschied.

Schliesslich der Herbst, wo es zumindest strassenbaumässig kaum Unterschiede gibt – überall werden Strassen aufgerissen, geteert, wieder aufgerissen für eine vergessene oder schon vorher geplante Leitung, erneut geteert. Vorteil für die Stadt: Die nahende Olma zwingt, die Arbeiten bis spätestens Mitte Oktober zu beenden. Im Rheintal kann eine Mini-«Herbstmäss» da weniger bewirken. Hier lockt die Rhema Rheintalmesse bereits im Frühjahr Bauern aus dem Appenzellerland ins Tal und Junge in die Halli-Galli-Festzelte. Natürlich: In St.Gallen kommt ein Mitglied des Bundesrates zur Eröffnung, hier gibt es einen Direktor und feste Ausstellungshallen für die gegen 400’000 Besucher. Im Rheintal begnügt man sich mit einem Mitglied der Kantonsregierung, es gibt einen Geschäftsführer, die Zelte werden alljährlich aufgestellt und wieder abgebrochen, und es kommen rund 70’000. Aber im Grunde unterscheiden sich die beiden Anlässe kaum: Viel Volk, viel Konsum, wenig Neues. Fazit: Hier gibt es keinen Unterschied.

Doch, einen Unterschied hat man auch dieses Jahr an der Olma wieder erleben können – fast alle Rheintaler(innen), die man an der Rhema sieht, trifft man auch an der Olma. Was man von den Städtern umgekehrt nicht behaupten kann. Rheintaler sorgen eben auch in der Stadt für Umsatz (übrigens auch zu Nicht-Olma-Zeiten), während Städter das Rheintal vorwiegend von der Durchfahrt in ihre Ferienwohnungen im Engadin und im Tessin kennen. Aber uns Rheintaler ficht das nicht an: Wir geniessen es, von der Stadt mehr zu wissen als die Stadtbewohner von uns. 1:0 für…Sie wissen schon, für wen.

(verfasst für das StadtMAGAZIN Nr.3, Oktober 2011)

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Eine Stadt ist eine Stadt


Es war zu erwarten: Selbst Rheintaler haben mir zugeraunt, dass ich die Stadt und ihre Bewohner in der ersten Kolumne (vor einem Monat in diesem Heft) unter dem Titel «Provinz ist überall» etwas gar hart kritisiert habe. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall – jedem Hauptsatz mit kritischer Stadtsicht folgte ein Nebensatz mit noch kritischerer Rheintal-Sicht. Jedenfalls, so stelle ich fest, können auch Städter problemlos etwas einstecken. Es geht also weiter.

Auch heute geht es um das Selbstverständnis der Stadt. Nehmen wir den Bahnhofplatz: Ein grosser Wurf wird gesucht, so ähnlich wie seinerzeit bei der neuen Brücke über den Rhein nach Diepoldsau: Wo der Kanton eine simple Betonbrücke vorsah, schafften es vor 26 Jahren durchaus knorrige, aber selbstbewusste Rheintaler, dass eine Schrägseilbrücke gebaut wurde, die einen Hauch von «Golden Gate» ins Rheintal brachte und zu d e m Ansichtskartenbild im Rheintal wurde (ohne dass aus Diepoldsau deswegen gleich San Francisco wurde). Gelöst wurde damit aber auch das Problem, dass die alte Stahlbrücke zu schmal für den Verkehr geworden war.

Und auch beim Stadt St.Galler Bahnhofplatz hätte die vorgesehene «Laterne» zwischen Bahnhofsgebäude und Rathaus durchaus das Potenzial, zum Postkartensujet zu werden. Allerdings steht sie als nicht nutzbares Kunstwerk (an dem man durchaus Freude haben kann) symbolisch dafür, dass das Projekt die eigentlichen Verkehrsprobleme, auch jene der Fussgängerströme, einfach nicht löst. Es scheint fast, als müsse die Laterne den Blick der Leute weg vom Bahnhofplatz (wo das heutige Chaos leicht entschärft weiter bestehen wird) und damit weg von den Problemen lenken: Schau mich an, dann fühlst Du Dich in Deinem verkehrlichen Elend wenigstens etwas besser. Oder anders gefragt: Wieso können Städter Nützlichkeit und Ästhetik nicht ebenso kombinieren wie die Rheintaler schon 1985?

Dabei möchten viele Städterinnen und Städter doch eigentlich, wenn nicht gerade Rheintaler, so doch Landbewohner sein. Wenn immer jemand vom Land in die Stadt zieht (eine Variante, die nicht einmal uns Rheintalern mit Blick aufs Alter fremd ist), betont er oder sie immer, dass er in höchstens fünf Minuten im Wald, auf Dreiweiern (bei Lichte besehen drei Tümpel, die gefühlte 100 Mal allein im Alten Rhein bei Diepoldsau Platz hätten) oder im Sittertobel sei.

In der Altstadt wohnen – wenn überhaupt – vorwiegend noch Studentinnen und Studenten, alle anderen scheint es an die Peripherie zu ziehen. Die Einkommensschichtung wird ablesbar an der Meereshöhe der Privatadresse, wobei es die höchsten Einkommen in noch höhere Gefilde ins ausserkantonale Teufen oder gar nach Appenzell zieht. Okay: Auch im Rheintal gibt es steuergünstige Höhenlagen wie Balgach. Aber selbst CEOs bleiben hier in der Regel dort wohnen, wo sie schon als junge Projektleiter ihr Nest gebaut haben: in der Talebene.

Ich treffe fast täglich real und im Web 2.0 auf Rheintalerinnen und Rheintaler, die den Stolz auf ihre Region zuvorderst auf der Zunge tragen und überall und ungefragt das bekannte «Ohne Rheintal keine Schweiz» aussprechen oder schreiben. Das ist mir bei einem St.Galler noch kaum passiert, oder dann nur in der Mini-Community einer Ortsbürgergemeinde. Wie wäre es, wenn St.Galler wieder einmal – auch uns Rheintalern – entgegenhalten würden: Wir wohnen gerne in der Stadt, und der Ausflug ins Grüne am Wochenende reicht uns völlig, was die Landluft angeht.

Eine Portion mehr Selbstbewusstsein täte der Stadt gut: Bei Verhandlungen mit dem Bund über eine Entlastung der Stadtautobahn zum Beispiel, bei einem wirklich grossen Wurf für den Bahnhofplatz (man könnte ja einmal darüber nachdenken, den gesamten Busverkehr unter den Platz zu führen und oben nur die Fussgänger, Velofahrer und Taxis zu belassen), bei der Verkürzung der Fahrzeit der Züge von und nach Zürich. Zugegeben, hier sind wir Rheintaler wohl nicht das beste Vorbild. Aber wenn zwischen Zürich und Bern kein Halt für Intercity-Züge vorgesehen ist, wieso braucht es dann zwischen Zürich und St.Gallen zwischen drei und fünf? Gehört St.Gallen wirklich auf die gleiche Ebene wie Wil, Gossau, Flawil und Uzwil? Es reicht vollkommen, wenn die Züge dann Richtung Rheintal zu Bummlern werden: Hier gibt es ja dann tatsächlich eine Landschaft zu geniessen…

(verfasst für das StadtMAGAZIN Nr.2, September 2011)

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Unsitte? – Jedenfalls funktioniert’s…


Die Bauern machen Guerilla. Sie glauben’s nicht? Der Beweis: “Guerilla-Marketing nennt sich die Unsitte. (…) Diesmal hat es das rote Bleicheli getroffen: Seit Montag steht mitten im Raiffeisen-Quartier ein Strohhaufen”, beschwerte sich am 31.  August vre im Regionalteil des St.Galler Tagblatts in einem Kasten mit beachtlich grosser Foto. (Wer’s nachlessen will: http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/stadtstgallen/tb-st/Bauern-als-Kuenstler;art186,2642468.)

Am 2. September dann die Fortsetzung an gleicher Stelle, diesmal von upz: “Ein strohwürfel für die Bauern” – wieder ein Dreispalter mit Bild (nachzulesen unter http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/stadtstgallen/tb-st/Ein-Strohwuerfel-fuer-die-Bauern;art186,2644126).

Was lehrt uns das? Die Strohwürfel-Aktion brachte dem Bauernverband zweimal Gratispräsenz im tagesaktuellen Monopolblatt mit einer Auflage von rund 30’000 Exemplaren – wen interessiert’s da noch, ob die Aktion originell, platt, nervig oder  unsittlich war? Schliesslich sollen am 23. Oktober wieder möglichst viele Bauernvertreter (und vielleicht eine oder zwei -vertreterinnen) nach Bern gewählt werden, um die Subventionen für den Bauernstand zu sichern…

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Provinz ist überall


Das kann ja nicht gut gehen: ein neues Stadtmagazin mit einem Kolumnisten aus dem Rheintal. Da trifft ja Provinz auf Metropole, güllengestählter Geruchssinn auf den Duft der grossen weiten Welt, Kleinbürgertum auf liberale Kaufmannstradition. Würde man meinen. Nach mehr als 20 Berufsjahren, pendelnd zwischen Wohnort auf der Rheininsel (ja, das gibt es im Rheintal) und Arbeitsort St.Gallen, kann ich besten Gewissens festhalten: Provinz ist überall (übrigens auch in Zürich, Basel, Bern, Genf oder Winterthur).

Seit Kurzem wird die Provinz für uns Rheintaler, die nach St.Gallen fahren, ganz besonders zelebriert. Sozialisiert mit einspurigen Autostrassen, gegen die weiland Edgar Oehler als Ostschweiz-Chefredaktor (wo „Oe“ übrigens mein erster Chef im Arbeitsleben in St.Gallen war) und Nationalrat in Personalunion wetterte, und eingleisigen Bahnverbindungen, empfanden wir die dreispurige Autobahn ab Meggenhus als äusseres Zeichen dafür, dass hier die grosszügige, schnell denkende und fahrende Agglomeration beginnt. Weit gefehlt: Inzwischen werden wir trotz amerika-breiter Strasse elektronisch auf 80 runtergebremst und können die Mörschwiler Grünflächen und Wälder allmorgendlich besser geniessen.

Ich deute das inzwischen symbolisch: Auch wenn Du glaubst, Du bist in der weltoffenen, schnelllebigen, flexiblen Welt der Stadt (ja, ich meine St.Gallen!) angekommen – Du täuschst Dich: Hier geht es hin und wieder noch viel gemächlicher zu als im ach so östlichen und rückständigen Rheintal (wo die Leute zumindest auf der Rheininsel sprachlich irgendwo im Althochdeutschen stehen geblieben sind). Man baut breitere Strassen, lässt darauf aber weniger Autos langsamer fahren. Ist im Zug übrigens dasselbe: Der Schnellzug wäre noch schneller, wenn er innerstädtisch – konkret in St.Fiden – nicht zum Bummler oder sozusagen zum Tram würde.

Beispiel gefällig? Bitte: Erklären Sie mal einem Rheintaler, wieso man mit der Entfernung der Calatrava-Halle ein Stück Kultur geopfert hätte, wo doch jedes zweite Feuerwehrdepot zwischen Rheineck und Rüthi künstlerisch ähnlich hohen Ansprüchen genügt und erst noch wirklich Schutz vor Regen und Wind bietet. Und warum scheitern Marktplatz-Vorlagen an ein paar Bäumen und ein paar Parkplätzen – oberirdische Pläne an unterirdischen Argumenten, oder umgekehrt? Und wenn Sie jetzt sagen: Der hat leicht reden und schreiben, dann sage ich ja: Die paar Marktplatz-Bäume hat bei uns draussen im Rheintal jeder schon auf dem eigenen Grundstück.

Entschuldigen Sie, wenn wir pendelnden Rheintaler dann hin und wieder denken: Sooo städtisch, wie die sich geben, stimmen sie dann doch nicht ab. Sagen wir es doch ganz offen: St.Gallen ist (auch) ein Dorf. Was ja auch seine schönen Seiten hat – wenn man mal die paar Dutzend Opinion Leaders kennt, dann ist man mit dabei im Kuchen. Und wirklich verlaufen kann man sich hier auch nicht – es sei denn, man läuft über den Bahnhofplatz. Aber das ist ein anderes Thema.

(verfasst für das StadtMAGAZIN Nr.1, August 2011)

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Ritterschlag für Positiv-PR


Man organisiere ein Grossereignis – zum Beispiel das Eidgenössische Musikfest -, habe Erfolg damit und die regionale Zeitung als Medienpartner im Boot. So weit, so gut. Schwierig wird es erst, wenn der Anlass insgesamt sehr erfolgreich ist. Dann fragen auch die Journalistinnen und Journalisten unablässig nach Bad News – man will sich wohl auch nicht nachsagen lassen, als Medienpartner unkritisch zu sein. Die Bad News werden prompt von Wirten geliefert, die – jedenfalls am ersten, regnerischen Wochenende – deutlich zuwenig Umsatz gemacht haben und nun die Miete am liebsten zurückhaben möchten. Die OK-Mitglieder selbst liefern aber nur Good News und bleiben dabei, auch auf Nachfragen der Redaktion. Worauf sich der Stadt-Chefredaktor – halb ironisch, halb ernst – gedrängt fühlt, in einer Kolumne den EMF-Organisatoren den «ersten Preis für Kampf-PR 2011» zuzuerkennen. Noch vor Ende des ersten Halbjahres schon ein Jahrespreis also, und das obwohl diesen Herbst noch Wahlen anstehen. Wenn das kein Kompliment für die Organisatoren und ein Ritterschlag für Positiv-PR ist – oder müssten diese umgekehrt vielleicht den «ersten Preis für empfindsame Journalisten» vergeben? Für jene, die empfindsam darauf reagieren, wenn sie nicht jene Antworten bekommen, die sie haben wollen?

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